Unsere Mission

Im Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist zu lesen:

„Deutschland hat mit Blick auf sein öffentliches Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot einen unübersehbaren Nachholbedarf. Zu lange und zu einseitig hat die ehemalige Bundesrepublik nahezu ausschließlich auf Familie und Schule als den fraglos gegebenen Stützpfeilern von Kindheit und Jugend gesetzt. Dabei war die Familie vor allem für die Betreuung und Erziehung der Kinder, die Schule für die Bildung verantwortlich. Gemeinsam bildeten sie das Koordinatensystem für das mehr oder minder reibungslose Aufwachsen von Kindern in einer sich rasch wandelnden Welt."

Dabei hat sich der Westen Deutschlands in seinem Denken und Handeln auf eine spezifische und lange Zeit auch wirksame Variante verlassen: auf das selbstverständliche Zusammenspiel einer geschlechtsspezifisch organisierten Familie einerseits und einer auf diesem Familienmodell beruhenden Halbtagsschule andererseits. Diese bundesrepublikanische Nachkriegskonstellation ist im Laufe der Jahrzehnte brüchig geworden und sie führte in den letzten Jahren zu intensiven Debatten um Betreuung und Bildung. Die Diskussionen wurzeln in den damit zusammenhängenden, unzureichend geklärten Fragen, wer in welcher Form und in welchem Umfang für Bildung, Betreuung und Erziehung der nachwachsenden Generation zuständig ist. Auch wenn die Bildungs- und Betreuungsfragen häufig getrennt diskutiert werden, haben sie dennoch in den genannten Unzulänglichkeiten ihren gemeinsamen Ursprung.

Jugendliche sind heute in viel stärkerem Maße in der Gestaltung ihrer Lebensentwürfe auf sich gestellt, weil Traditionen und Normen ihre Verbindlichkeiten verloren haben und Medienkonsum und Informationsgesellschaft eine ungeheure Freiheit, aber auch Verunsicherung bieten.

Aktuelle internationale Leistungsvergleichsstudien belegen die Defizite des deutschen Schulsystems.

Die dadurch angestoßene Bildungsdebatte führte unter anderem zur verbindlichen Einführung des achtjährigen Gymnasiums in Baden-Württemberg mit seinen feststellbaren Vorteilen (Überarbeitung der Curricula, Einführung fächerübergreifenden Unterrichts, kürzere Schulzeit, Evaluationsmaßnahmen), aber auch zu zahlreichen problematischen Entwicklungen für Eltern, Lehrer und vor allem für die Kinder und Jugendlichen. Als Beispiele seien hier nur die Erhöhung der Stundentafel, die damit verbundene Einführung des Nachmittagsunterrichts, die Einführung der zweiten Fremdsprache in Klasse fünf und der hieraus entstehenden Hausaufgabenproblematik genannt. Dies alles führt zu einer von Eltern feststellbaren zunehmenden Überlastung der Kinder.

Daraus ergibt sich die Forderung, dass es nur in einer konsequent komplementären Berücksichtigung des Dreiklangs von Bildung, Erziehung und Betreuung gelingen kann, weiterführende Antworten auf die grundlegenden Herausforderungen der Schule für Deutschland zu finden.